Nahost-Konflikt

Israel und Islamischer Dschihad: Kämpfe dauern an


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Nach heftigem Raketenbeschuss hat Israels Luftwaffe erneut Ziele der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Gazastreifen angegriffen.

Von dpa

Der Islamische Dschihad feuert weiter etliche Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel ab, während Israels Luftwaffe dort Stellungen der militanten Palästinenserorganisation angreift.

Wegen des neuerlichen, heftigen Raketenbeschusses habe Israel die Gespräche über eine Waffenruhe abgebrochen, meldeten israelische Medien. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. "Wir werden die Gerüchte über den Waffenstillstand nicht kommentieren", sagte ein Sprecher des Außenministeriums auf Anfrage.

Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht heulten in Israel ab dem Vormittag wieder die Warnsirenen im Grenzgebiet. Erstmals seit Beginn der Gewalt gab es Raketenalarm auch nahe Jerusalem. Wegen der Kämpfe wurde auch die für das Wochenende geplante Kundgebung gegen die Justizreform abgesagt. Die Organisatoren fürchten um die Sicherheit der Demonstranten, wie sie am Freitagabend mitteilten. Die Massenproteste gegen das umstrittene Vorhaben finden seit vier Monaten wöchentlich am Samstag statt. Es ist das erste Mal, dass sie ausfallen. Die Regierung will mit der Justizreform den Einfluss des Höchsten Gerichts beschneiden und ihre eigene Machtposition ausbauen.

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Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome feuert Abfangraketen auf Raketen aus dem Gazastreifen ab.

Israels Armee bombardierte daraufhin eigenen Angaben nach mehrere Stellungen des Islamischen Dschihad sowie versteckte Raketenwerfer. In den vergangenen Tagen griff die Luftwaffe demnach mehr als 250 Stellungen im Gazastreifen an und tötete dabei auch gezielt mehrere hochrangige Mitglieder des Dschihads, der eng mit dem Iran verbunden ist. Unter Experten sind gezielte Tötungen umstritten. Die Vereinten Nationen bemängeln beispielsweise, dass damit Rechtsgrenzen verwischt würden. Sie sprechen zudem von einer Verletzung des Völkerrechts.

Im Gazastreifen starben seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Dienstag bislang 33 Menschen, unter ihnen 6 Kinder, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Mehr als 100 seien verletzt worden. Bei mindestens 17 der Toten handelte es sich palästinensischen Informationen zufolge um Zivilisten. Israels Armee sagte, vier zivile Opfer seien von fehlgeleiteten Dschihad-Raketen getötet worden. Unabhängig ist dies zunächst nicht zu überprüfen.

Ein Sprecher der im Gazastreifen regierenden Hamas warnte, wegen Treibstoffmangels müsse womöglich das einzige Kraftwerk in den kommenden 72 Stunden stillgelegt werden. Wegen des Kämpfe sind derzeit die Grenzübergänge zum Gazastreifen geschlossen und die Einfuhr von Treibstoff gestoppt.

Militante Palästinenser feuerten Armeeangaben zufolge bislang mehr als 970 Raketen und Mörsergranaten Richtung Israel, 760 davon überquerten demnach die Grenze. Bei einem Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in der israelischen Stadt Rehovot war am Donnerstag ein Mensch getötet worden. Seit Beginn der Angriffe wurden 22 Menschen in Israel verletzt.

Für die Zivilbevölkerung im Süden Israels gelten derzeit spezielle Schutzmaßnahmen. Die Menschen dürfen dort etwa nur arbeiten gehen, wenn die Bürogebäude über einen bombensicheren Raum verfügen. Zudem dürfen sich nicht mehr als zehn Menschen im Freien treffen. Nachdem ein Open-Air-Konzert des israelischen Musikers Aviv mit Zehntausenden Besuchern am Donnerstag trotz Raketendrohungen stattfand und Kritik auslöste, wurden nun mehrere Konzerte abgesagt. So wurde etwa ein Auftritt der Backstreet Boys in der Nähe von Tel Aviv am Samstag gecancelt, wie die Armee mitteilte.

Der Islamische Dschihad drohte mit weiteren Eskalationen. "Wir werden nicht vor dem Flaggenmarsch aufhören." Bei dem umstrittenen Marsch ziehen seit Jahrzehnten jährlich am Jerusalem-Tag Menschen mit Israel-Flaggen durch das muslimische Viertel der Altstadt, was die Palästinenser als Provokation sehen. Am Jerusalem-Tag wird die israelische Eroberung Ost-Jerusalems während des Sechstagekrieges 1967 gefeiert. Die Palästinenser sehen den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt eines eigenen Staates.

Experten zufolge kommt es für den weiteren Verlauf des Konflikts vor allem darauf an, ob sich auch die im Gazastreifen herrschende Palästinenserorganisation Hamas beteiligt. Dies sei derzeit nicht der Fall, sagte ein Armeesprecher am Donnerstagabend. Die Hamas verfügt nach israelischen Informationen über deutlich mehr und weiter reichende Raketen als der Dschihad.

Der Bundestag würdigte unterdessen am Freitag den 75. Jahrestag der Gründung Israels und bekannte sich in einer breiten Mehrheit zum Existenzrecht des jüdischen Staates. Angesichts des aktuellen Gewaltausbruchs zwischen Israelis und Palästinensern wurde in verschiedenen Reden die Bedeutung einer Zwei-Staaten-Lösung für einen dauerhaften Frieden betont - auch wenn diese derzeit in weite Ferne gerückt scheine.

Die Hamas und der Islamische Dschihad werden von den USA, der EU und Israel als Terrororganisationen eingestuft. Beide Gruppierungen haben sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben. Die Hamas gilt als schlagkräftiger als der Islamische Dschihad.


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